Tipps zur Wahl des Themas

Bei jeder Form der wissenschaftlichen Arbeit, sei es eine Seminararbeit, Hausarbeit oder die große Baustelle Abschlussarbeit, steht man zuerst vor der Frage: Wie soll das Thema lauten? Ein Teil der Studierenden macht sich darüber schon zu Beginn des Studiums Gedanken, bei anderen entsteht die Idee erst zum Ende hin und wieder andere stehen der Aufgabe völlig ratlos gegenüber. Dabei handelt es sich – besonders bei Abschlussarbeiten – um einen so essentiellen Teil des Studiums.

Natürlich gibt es oft Fälle, in denen das Thema bereits durch die Fachrichtung des Kurses oder die Lehrperson eingegrenzt oder sogar vorgegeben wird. Auch gibt es Ausarbeitungen, die sich mit der Literatur beschäftigt, die Eingangs zur Verfügung gestellten wurde. Doch besonders im Falle der Abschlussarbeit geht es vielen Studierenden so, dass sie sich nicht für ein Thema entscheiden können oder gar nicht erst zu einem Thema finden, das sie auch anspricht. Dieser Punkt ist elementar, denn das Thema wird für einen längeren Zeitraum Euer Leben bestimmen, also wäre es doch schön, wenn Ihr das Thema auch selbst gut findet. Im besten Fall könnt Ihr Euch sogar dafür begeistert. Doch es führt nicht nur ein einziger Weg zum perfekten Thema.

Ein Weg könnte über die Auswahl der passenden Lehrperson zur Betreuung der Abschlussarbeit führen. In fast jedem Studium gibt es den einen Dozenten oder die eine Dozentin, deren Lehrinhalt und die entsprechende Einstellung dazu, einem besonders zusagen oder mit dem oder der man besonders harmoniert. In diesem Fall bietet es sich an, sollte man selbst noch so gar kein Thema favorisiert haben, mit dieser Dozentin oder diesem Dozent ein Gespräch zu führen und zu erörtern, ob es denn ein passendes Thema von Interesse gäbe, zu dem man seine Arbeit verfassen könnte. Manche DozentInnen haben durchaus Themen oder Themengebiete im Sinne, die sie den Studierenden gerne zur Verfügung stellen und bieten hierfür ihre Betreuung an. Natürlich tun sich die Betreuer damit auch selbst einen Gefallen. Denn natürlich lässt sich eine Abschlussarbeit leichter betreuen, wenn sie den eigenen Interessen oder Fachgebieten entspricht. Soviel zum Weg der Themenwahl nach Wahl der Betreuerin oder des Betreuers.

Ein weiterer Weg, ein Thema zu finden, könnte sein, die Abschlussarbeit in einem Unternehmen zu schreiben. Unternehmen geben meist bereits Themen oder Themenbereiche vor, an denen man sich orientieren kann oder soll. Ein Vorteil von dieser Kollaboration kann sein, dass neben der Unterstützung beim Finden eines geeigneten Themas, auch ein möglicher Berufseinstieg in dem jeweiligen Unternehmen in Aussicht gestellt wird. Auf der Seite www.thesius.de findet sich zum Beispiel eine Liste der aktuell zur Verfügung stehenden Themen, die von Unternehmen zur Verfügung gestellt werden.

Wer sein Thema aber autonomer erarbeiten möchte und dabei möglichst viel Handlungsfreiraum haben will, geht wahrscheinlich den umgekehrten Weg und sucht zuerst das Thema und dann die passende Betreuung – sei es an der Uni oder im Unternehmen. Selbstverständlich kann man auch „zweigleisig fahren“ und einerseits die Fühler nach interessanten Themenvorschlägen ausstrecken und jedoch auch gleichzeitig an einem eigenen Thema arbeiten. Wenn man in Letzterem noch völlig ahnungslos ist, empfiehlt sich zu aller erst eine Mindmap zu erstellen. Auf dieser lässt sich nicht nur darstellen, welche Überthemen einen persönlich sehr interessieren. Auch kann man für den Anfang damit beginnen Studienfächer, Kurse und grobe Themenbereiche zu sammeln, die einem während des Studiums besonders zugesagt haben. Vielleicht gab es auch Praktika im Laufe des Studiums, die besonders ansprechend waren? Welche voran gegangenen Leistungsnachweise waren besonders erfolgreich? Gibt es vielleicht sogar persönliche Erfahrungen, berufliche Vorkenntnisse oder Berufsziele, die das Thema beeinflussen könnten? Welche Forschungsmethoden liegen mir besonders? Umso mehr man sich mit einem Thema oder einer Arbeitsweise persönlich identifiziert, desto leichter wird es später die Abschlussarbeit zu verteidigen oder in beruflichen Situationen sein Können mit dergleichen unter Beweis zu stellen und sich gut zu verkaufen.

Für die Erstellung einer Mindmap gibt es fast keine Regeln, außer, dass sie übersichtlich gestaltet sein sollte. Jedoch darf hier alles gesammelt werden, was irgendwie von Bedeutung sein könnte. Oft sind es nicht die naheliegenden Dinge, die zur Wahl des richtigen Themas führen. Manchmal entstehen die spannendsten Fragestellungen erst durchs Querdenken.

Zum Beispiel könnte einer Sozialwissenschaftlerin, die sich im Studium mit empirischer Sozialforschung beschäftigt hat, ihre vorberufliche Erfahrung im medizinischen Bereich zur Hilfe kommen. Vielleicht hat sie sich immer besonders für den Umgang mit älteren Personen begeistert? Was hat sie wohl in ihrem beruflichen Umfeld an Problemstellungen erfahren? Wo hätte es noch Verbesserungsbedarf gegeben? Da gäbe es zum Beispiel die Schwierigkeiten für alte Menschen in der stationären Behandlung. Also stellt die Studierende fest: Mich interessieren ältere Menschen und deren Lebenswelt und ich bin mir bewusst, dass es viele Problemstellungen im stationären Bereich gibt, wie zum Beispiel der Drehtüreffekt oder die ambulante Versorgung nach der Entlassung. So entsteht zumindest nach und nach bereits ein Gerüst an Themen, die sich immer weiter eingrenzen lassen.

Übersichtlicher gestaltet sich die Mindmap auch durch farbliche Markierung. Man kann beginnen die Stichpunkte in Kategorien aufzuteilen. Was könnte zusammen ein Thema ergeben? Welche Stichpunkte fallen unter eine mögliche Überschrift? Zu welchen Themen lässt sich ausreichend Literatur finden? So werden aus Stichpunkten Kategorien und aus Kategorien werden Themenbereiche. Und auf diese Weise kann die Mindmap auch dynamisch verändert werden und noch im weiteren Verlauf der Abschlussarbeit gute Dienste leisten. Sie lässt sich übrigens auch toll zur Strukturierung und zur Gestaltung der Gliederung verwenden.

Oft sind es auch Kombinationen aus Wegen, die das Thema abschließend festlegen. So kann es sein, dass ein Themenbereich gefunden ist, sich das Thema jedoch erst in Kombination mit einer Forschungsmethode ergibt. Auch könnte es sein, dass bestimmte Überbegriffe besonders gut zu einer Dozentin oder einem Dozenten passt, die oder der dann wiederum dabei unterstützen kann, das Ganze zu einem Thema einzugrenzen.

Die Mindmap alleine kann jedoch auch bedeuten, den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen zu können. Man ist ja für seine eigenen Spezialgebiete auch gewissermaßen „betriebsblind“. Daher kann der Austausch mit Anderen stets hilfreich sein. KommilitonInnen, Freunde, Familienangehörige, Lehrpersonal, KollegInnen – es lassen sich viele Perspektiven für die persönliche Themensammlung finden.

Dabei kann auch ein fachfremder Blick neue Impulse bringen oder helfen, den eigenen Fokus zu verändern. Vielleicht macht es auch Sinn, sich mit anderen Studierenden zu treffen und gemeinsam die jeweiligen Mindmaps zu erarbeiten. So oder auf anderem Wege ist der Austausch für Feedback und zur Themenfindung unbedingt empfehlenswert. Eine solche Beratung bietet Dir übrigens auch die Absolventen Schmiede an.

Beim Finden und Formulieren eines Themas ist grundsätzlich wichtig, dass es sich an einem der Fächer des Studiums orientiert oder zumindest einen Teil der Studieninhalte spiegelt. Es sollte sich außerdem um ein Thema handeln, das so noch nicht erforscht oder erarbeitet wurde. Daher ist Literaturrecherche schon im Vorfeld unabdingbar. Einerseits lässt sich so feststellen, ob sich zu dem Wunschthema ausreichend aktuelle und seriöse Literatur finden lässt, ob einem diese zusagt und ob das gewählte Thema oder die Fragestellung nicht schon bereits behandelt wurde. Es sollte auch nicht vergessen werden, dass ein gutes Thema nicht immer auch in das persönliche zur Verfügung stehende Zeitbudget passt. Deshalb sollte man sich auch stets die Frage stellen: Kann ich eine Arbeit zu dem von mir gewünschten Thema in der mir verbleibenden Zeit schaffen? Ist es zu umfangreich für das vorgegebene Seitenlimit? Muss ich inhaltlich reduzieren oder ergänzen? Diese Fragestellungen lassen sich sicherlich auch in Feedbackgesprächen mit Fachpersonen oder mit der Betreuerin oder dem Betreuer klären.

Zu guter Letzt geht es an das abschließende Formulieren des Themas. Dabei ist es wichtig eine Überschrift zu finden, die nichts Inhaltliches vorweg nimmt und das Interesse der Leserschaft weckt. Ein Thema sollte auch nicht zu viele Aspekte auf einmal behandeln und dementsprechend kurz und prägnant sollte dann auch die Formulierung ausfallen. Um etwas mehr Spielraum zu haben, bieten sich Untertitel an. So könnte der Titel der im vorher erwähnten Beispiel genannten Abschlussarbeit der Sozialwissenschaftlerin am Ende lauten: Die Lebenswelt Krankenhaus – was bedeutet der Krankenhausaufenthalt für betagte Menschen? Der Leser weiß nun, dass es sich um eine Lebensweltanalyse im Bereich Krankenhaus handelt. Der Untertitel grenzt das Thema noch weiter ein. Trotzdem sind keine Ergebnisse oder vorgreifende Vermutungen im Titel zu erkennen.

Wie man sieht: Das Thema einer Abschlussarbeit zu finden ist viel mehr als nur die Suche nach einer Überschrift. Es definiert quasi die gesamte Arbeit und formt natürlich auch entsprechend das Ergebnis. Ein Thema muss neben einem selbst auch besonders den Leser überzeugen. Beratet euch daher intensiv mit Eurer Betreuerin oder Eurem Betreuer, geht in Euch und erforscht, welche Themen Euch wirklich interessieren oder überlegt, welcher künftiger Arbeitgeber an welchem Thema interessiert sein könnte. Vergesst dabei nicht, dass sich ein Thema auch mal dynamisch an den Forschungsablauf anpassen darf. Die Absolventen Schmiede bietet auch hierbei Hilfestellung durch individuelle Coachings an.

Über die Autorin:

Elisabeth Olden hat ihren Bachelor in Management Sozialer Innovationen an der Hochschule München gemacht und ist gelernte Mediatorin. Vor ihrem Studium war sie medizinische Fachangestellte und hat parallel Textererfahrung im Onlinebereich gesammelt. Seit 3 Jahren ist sie privat als Lektorin tätig und unterstützt Forschungsarbeiten mit Publikationen. Ihr nächster geplanter Schritt ist eine Tätigkeit als Coachin und Konfliktberaterin.

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