Im Gespräch mit Bestseller-Autor Silvio Gerlach: „Die Art und Weise der Verarbeitung von wissenschaftlichen Studien ist immer gleich“

Heute haben wir das besondere Vergnügen, uns mit unserem Coach Silvio Gerlach zu unterhalten. Silvio hat neben einem Studium in Außenpolitik auch ein Diplom in VWL, seine Promotion über Techniken des Wissenschaftlichen Arbeitens ist sein aktuelles Ziel. Außerdem ist er Gründer und Leiter des Studeo Verlages, der Studeo Repetitorien sowie des Studeo Coachings und ganz nebenbei ist er Familienvater von zwei Kindern – ein wahres Multitalent also. Nach 20 Jahren Erfahrung in Training, Lehre sowie als Repetitor und Coach für wissenschaftliche Arbeiten, kann man ihn durchaus als fundierten Experten bezeichnen. Deswegen freuen wir uns sehr, dass er auch uns – der Absolventen-Schmiede – regelmäßig als Coach zur Verfügung steht und auch heute Zeit für uns gefunden hat.

1. Silvio, es freut uns sehr, dass Du Dir heute Zeit für unser Gespräch genommen hast, denn davon gibt es sicherlich nicht so viel. Wenn man Deine vielen Aufgabengebiete so betrachtet – wo bleibt da noch Zeit für Dich und Deine Familie?

Ich habe das große Glück, meine Arbeit zu lieben. Gerne mache ich mir den Spaß und sage zu meiner Frau, dass das für mich gar keine Arbeit ist. Sie schaut mich dann ungläubig an und wir lachen beide.
Zeit für die Familie nehme ich mir. Ich versuche das immer mit erreichtem Meilenstein zu verbinden. Dann gibt es Belohnungen wie Ausflüge oder eben Abschalten.

2. Was würdest Du gestressten Studierenden oder Absolvent*innen für eine gute Work-Life-Balance empfehlen?

Für eine gute Work-Life-Balance sollte das Studienfach auf jeden Fall Spaß machen und nah am Herzen sein. Vielleicht ist es noch nicht die passende Wahl gewesen. Wenn das unterwegs auffällt, lässt sich das noch korrigieren. Wenn das Studienfach das richtige für einen ist, schaut man auch nicht auf die Uhr.

3. Du warst ja selbst viel im Ausland – einmal in Moskau und auch in Argentinien. Was hast Du aus dieser Zeit für deine jetzige berufliche Laufbahn insbesondere mitgenommen?

An diese Zeiten erinnere ich mich gerne. Die Sprachkenntnisse haben mir beim Einstieg in meinen allerersten Job geholfen. Aber ich habe vor allem gelernt, wie die Welt auf uns in Deutschland schaut.
Für den Beruf habe ich sicher meine Selbstständigkeit entwickelt, meine Problemlösungsfähigkeiten. Schließlich muss man im Ausland alles in der Fremdsprache machen.

4. Ein Blick auf die von Dir verfassten Titel bietet wirklich eine Vielzahl an Büchern! Welches davon ist Dein persönlicher Favorit und warum?

Inzwischen ist es tatsächlich schon eine größere Zahl von Titeln. Ich kann mich schwer entscheiden, weil es ja alle meine Babys sind. Der unglaublichsten Titel ist vermutlich in 24 Stunden zu Hausarbeit. Der klingt scheinbar reißerisch. Aber dieser Ansatz ist tatsächlich fundiert, sodass eine solche Arbeit tatsächlich in dieser Zeit geschafft werden kann. Man muss nur mal auf die typische Erledigung von Hausarbeiten schauen. Viele werden die letzten paar Tage und Nächste geschrieben, auf den letzten Drücker. Mit meinem Ansatz kann man das in den ersten Tagen erledigen und hat danach die Last von den Schultern und mehr Spaß mit anderen Sachen.

Nebenbei bring der Hausarbeit Guide noch die grundlegende Methode bei, wie man mit anspruchsvollen wissenschaftlichen Studien arbeitet. Das wichtigste Buch ist das Thesis ABC, in 31 Tagen zur Bachelorarbeit oder Masterarbeit. Das ist auch unser Bestseller. Auch hier gibt es einen konkreten 248 h Projektplan mit Meilensteinen und Sprints.

5. Besonders beeindruckend fanden wir die Methode, in 31 Tagen zur Bachelor- oder Masterarbeit zu kommen. Wie kamst Du auf diese Methodik?

Diesen Ansatz habe ich in meinem Coaching entwickelt. So eine Thesis ist komplex und verlangt nach einem Plan. Also habe ich einen Plan gemacht und diesen dann im Laufe des Coachings verfeinert. Ich nenne ihn den Masterplan. Die 31 Tage sind fundiert. Man kann sie aber auch mit einer einfachen Rechnung begründen. Die normale Bearbeitungszeit einer Thesis beträgt drei Monate. Bei im Durchschnitt 22 Arbeitstagen pro Monat das sind bei drei Monaten und fünf Arbeitstagen pro Woche circa 65 Tage. Die Hälfte der Zeit wird dafür aufgewendet, den richtigen Weg zu finden. Ist das Vorgehen aber schon relativ klar vorgegeben, lässt sich diese Zeit sparen und man kann gleich direkt an der Arbeit arbeiten.

Der Masterplan nutzt auch meine Erfahrungen als Repetitor. Ich habe im Studium Klausurvorbereitung in Mathematik, Statistik, Mikroökonomie, Makroökonomie und Investitionsrechnung angeboten. Dabei habe ich zu allen Rechenaufgaben immer Algorithmen aufgezeigt. Dann konnten meine Studis die Rechenwege selbstständig nachvollziehen und haben immer Super-Klausuren geschrieben. Das habe ich auf die Thesis übertragen und es funktioniert hier genauso.

6. Dann gibt es ja noch analog den Titel – in 200 Tagen zur Diss. Unterscheidet sich die Methode stark von der oben genannten?

Die Dissertation ist letztlich eine Bachelorarbeit oder Masterarbeit mit einem sehr viel spezielleren tieferen Fokus und deutlich höheren Ansprüchen an die Methodik. Außerdem muss hier definitiv neue Erkenntnisse gewonnen werden. Die Anforderungen sind also deutlich strenger. Viele Schritte sind identisch. Das reicht zurück bis zum Hausarbeiten Guide. Die Art und Weise der Verarbeitung von wissenschaftlichen Studien ist immer gleich. Damit lässt sich wissenschaftliche Arbeiten systematisch vermitteln und trainieren. Die 200 Tage sind auch aus der Praxis entstanden, aus meinem Dissertationscoaching.

7. Wie kam es dazu, dass Du dich so intensiv mit dem wissenschaftlichen Arbeiten auseinandergesetzt hast? Was hat Dich persönlich dazu angeregt?

Während meiner Uni habe ich als Tutor gearbeitet und wie schon erwähnt ein Repetitorium gegründet. Die Firma hieß “Erfolg durch Wissen” und hat Studis drei Wochen vor der Angst, also vor der Klausur für die Klausur fit gemacht.
Im nächsten Schritt kam ich zu Klausurcoaching. Das ist die Erarbeitung einer individuellen Klausurvorbereitungsstrategie. Meist geht es gar nicht um die Inhalte selbst, sondern eher um die Art des Lernens. Das Diplomarbeitscoaching, wie es damals noch hieß, hat vor vielen Jahren an einem trüben Februartag begonnen. Eine Mutter rief mich an und fragte, ob ich nicht auch Diplomarbeitscoaching anbiete. Ihr Sohn lümmelt schon seit mehreren Monaten auf ihrer Couch herum und sie möchte, dass er endlich fertig wird. An diesem Tag habe ich mit Coaching angefangen.

Mit der Zeit habe ich gemerkt, wie unterschiedlich diese verschiedenen Standards für wissenschaftliches Arbeiten sind und wie schwer es fällt, in dieser Welt der Mixed Signals den Überblick zu behalten. Dann habe ich das Thesis-ABC geschrieben, die erste Auflage. Etwas später habe ich mit Entwicklern eine digitale Plattform angefangen. Diese Formate haben mich gezwungen, klare Anleitungen für wissenschaftliches Arbeiten zu formulieren. Das führte zu einer intensiven Beschäftigung damit.

Mein Antrieb ist vermutlich meine eigene Neugier. Meine Helden in der Kindheit waren Wissenschaftler wie Aristoteles, Archimedes, Newton und Herschel. Der zweite Antrieb ist, Probleme zu lösen. Im wissenschaftlichen Arbeiten gibt es genug Herausforderungen.
Gerade schreibe ich an einem Kompendium für wissenschaftliches Arbeiten. Die ersten beiden Bücher sind fertig, das Schreib-ABC und das Research-ABC. Im Moment schreibe ich das Analyse ABC und habe noch das Methoden-ABC und das Vortrags-ABC auf meiner Liste. Diese Bücher sollen noch in diesem Jahr fertig sein.

8. Was würdest Du jungen Menschen oder Studierenden raten, die noch nicht so genau wissen, was ihr persönliches Fachgebiet werden könnte? Wie kann man den Weg dorthin finden?

Das ist tatsächlich eine Herausforderung. Dafür habe ich eine Lösungsidee.
Stell Dir einfach die folgende Frage:
Was würdest Du am liebsten den ganzen lieben langen Tag tun, ohne Pause, ohne Essen, ohne schlafen und ohne dafür bezahlt zu werden?
Die Antworten zeigen Dir den Weg. Dann sollte man nach Menschen Ausschau halten, die diesen Weg schon gegangen sind und von ihnen lernen. Wenn sich die Informationen nicht finden, dann rufe sie doch einfach an oder schreibe ihnen. Es ist erstaunlich, was Menschen so ohne Gegenleistung für einen tun, wenn sie helfen können. Menschen helfen gerne.

Natürlich muss man dann auch damit umgehen können, dass man vielleicht gar nicht studieren muss, um einen bestimmten Job zu machen…

9. Welches Deiner Bücher würdest Du einer Person empfehlen, die gerade ins Studium eingestiegen ist??

Das Unangenehmste im Studium sind definitiv Klausuren und später die wissenschaftlichen Arbeiten. Daher würde ich den Einsteigenden mein “Klausur-ABC – Immer Bestnoten” empfehlen. Dort habe ich meine Erfahrung aus vielen Jahren als Tutor und Repetitor aufgeschrieben. Soweit ich den Markt überblicken kann, ist dies das einzige Buch, das von der Aufgabenlogik und der Klausurlogik kommt und die Klausurvorbereitung nicht auf Zeitmanagement, persönliche Motivation, Überwinden psychologischer Hürden aller Art, Tagesgestaltung und so weiter reduziert.

Man braucht für die Klausurvorbereitung einen Plan und Anleitungen, mit dem sich die konkreten Herausforderungen in der Klausur vorhersehen lassen. Das Klausur-ABC liefert eine solche Anleitung. Noch ein nützliches Buch speziell für Studierende in Wirtschaft und ähnlichen Fächern ist unser “Rechentrainer – Schlag auf Schlag – Rechnen bis ich’s mag”. Der bringt die Rechenfähigkeiten auf Vordermann, die für viele Klausuren nötig sind.

10. Und welches Deiner Bücher hättest Du gerne selbst während deines Studiums gelesen? 😉

Ich habe Volkswirtschaft studiert und hätte gerne meine Klausurtrainer gehabt, für die einzelnen Fächer wie Statistik, Mikroökonomie, Makroökonomie, BWL und Mathematik. Die hätten mir geholfen, die relevanten Aufgaben und vor allem die Musterlösungen parat zu haben und mehr Zeit für das Training zu haben.

11. Dann gibt es ja noch Deinen digitalen Guide Aristolo, ein digitaler Begleiter für wissenschaftliches Schreiben. Kannst Du uns etwas darüber erzählen? Was kann man sich darunter vorstellen?

Unser Aristolo Guide ist die Umsetzung der Inhalte unserer Bücher zum wissenschaftlichen Arbeiten in eine digitale Plattform. Sie geht noch deutlich weiter als die Bücher, weil im Online-Guide eine Personalisierung möglich ist. Ich möchte das an einem Beispiel erklären. Es macht einen Unterschied, ob ich eine Literaturarbeit, ein Literature Review oder eine empirische Arbeit mit einer Umfrage schreibe. Die Methodik muss entsprechend angepasst sein. Das geht mit unserem Guide.

Ebenso wichtig ist die Personalisierung entsprechend dem Analyse-Fokus. Der Analyse-Fokus bezieht sich auf den Aspekt der Untersuchung. Beispiele sind Ursachenanalyse, Vergleichsanalyse, Evolutionsanalyse oder Potenzialanalyse. Die Leitfrage, Zielsetzung und die Aufgabe sowie die Vorgehensweisen sind jeweils unterschiedlich. Das lässt sich in einem Buch nicht so detailliert darstellen. Außerdem hat der Aristolo Guide einige Tools, mit denen die Arbeit leichter wird. Ein zentrales Element ist unser Qualitäts-Check. Wir nennen ihn den ABF, den Aristolo Bullsh**t Filter. Damit lassen sich grobe Schwächen eines Textes erkennen, um sie dann beseitigen.

12. Wie bist Du auf die Idee gekommen, ein solches digitales Tool anzubieten?

Ein wichtiger Grund war, das Konzept allen zugänglich zu machen. Coaching ist immer persönlich und daher nicht skalierbar. Außerdem ist es teuer und deswegen braucht es ein zugängliches und erschwinglich es Hilfsmittel.

Zudem war ich neugierig, was man damit noch erreichen kann. Wir wollen mit der Plattform richtig tolle Studien herausbringen.

13. Was ist Dein persönlich größtes Erfolgserlebnis, seit Deinem Studium?

Mir scheint, das größte Erfolgserlebnis liegt erst noch vor mir. Das ist die Vollendung meines Kompendiums für wissenschaftliches Arbeiten. Mein Ziel ist, damit einen erlernbaren und lehrbaren standardisierten Ansatz zu bieten, mit dem alle eine gute wissenschaftliche Arbeit schreiben können.

14. Bestimmt hast Du durch Deine Arbeit auch viele Erfolgserlebnisse anderer Menschen begleiten und unterstützen dürfen. Gab es dabei mal ein besonderes Highlight?

Ich freue mich immer, wenn meine Coachees eine tolle Note bekommen haben. Highlights sind die Projekte, in denen im zweiten Versuch eine richtig gute Note herauskommt. Denn das zeigt, dass eine großartige Leistung möglich ist.

15. Hast Du noch einen ultimativen Tipp für erfolgreiches wissenschaftliches Arbeiten? Was ist wirklich immer wichtig?

Der Tipp hat eigentlich nichts mit den wissenschaftlichen Arbeiten selbst zu tun. Wer eine solche Arbeit schreibt, sollte sich ein Ziel nach der Arbeit setzen, das richtig motiviert. Das kann ein Job sein, ein privates Großereignis wir eine Hochzeit, eine Weltreise oder auch ein Start-Up. Das motiviert und lässt einen die Mühen unterwegs besser ertragen.

Silvio, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast und uns einen so tollen Einblick in dein berufliches Leben gegeben hast! Für alle, die uns auf Facebook folgen: Silvio ist immer donnerstags in der Facebook-Gruppe für Bachelor- und Masterarbeiten in der Sprechstunde für euch verfügbar. Schaut doch mal rein!

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