Experten-Tipps für den Berufseinstieg

Da es vielen Berufseinsteigern nach dem Studium schwerfällt, sich auf dem Arbeitsmarkt richtig zu positionieren und eine gewinnversprechende Arbeitsstelle zu besetzen, haben wir in einem Gespräch mit Anton Lapin 11 interessante Fragen gestellt, die euch weiterhelfen können, – schon während des Studiums – den richtigen Weg einzuschlagen. Anton Lapin ist selbstständiger Vertriebspartner für Horbach – eines der größten Lebens- und Finanzplanungsunternehmen Deutschlands – und Experte im Bereich Karrierecoaching.

1. Herr Lapin, vielen Absolventinnen und „Young Professionals“ fällt es bei der Stellensuche schwer, die richtigen hierarchischen Positionen ausfindig zu machen, sprich sich auf angemessenem Level zu bewerben. Gibt es dafür pauschal einen Maßstab, an dem man sich orientieren kann oder kommt es auch auf die Leistung an, die man während des Studiums erbracht hat?

Als Erstes ist es wichtig, einen Job, eine Position und auch ein Unternehmen nach seinen eigenen Stärken und nach seinen eigenen Antreibern zu wählen. Also zunächst erst mal gar nicht den Fokus auf die Themen Gehalt, (Führungs-)Position, Karriere etc. zu legen, sondern zunächst mal zu für sich selbst zu erkennen: Was sind meine Stärken? Welcher Job passt zu mir? Welches Unternehmen passt zu mir?

2. Was ist Ihrer Einschätzung nach am wichtigsten für erfolgreiche Bewerbungen nach dem Studium? Wo sehen Sie das absolute No-Go?

Was ich immer wieder bei Bewerbungen erlebe, ist, dass da zig Bewerbungen nach dem Motto „copy-paste“ rausgeschickt werden und sich überall beworben wird. Ich bin absolut überzeugt davon, dass jeder Einzelne erst mal seine Bewerbungsmappe sauber auf Vordermann bringen sollte. Heißt erstens, das Anschreiben sollte erst mal gut sein, das bedeute für mich, dass das Anschreiben auch individuell auf die Stellenausschreibung angepasst werden sollte. Was auch immer noch einige falsch machen, ist, den falschen Ansprechpartner zu nennen oder das noch ein falsches Unternehmen im Text steht.
Das sind leichte Fehler, die wirklich vermieden werden können. Zusätzlich sollte im Lebenslauf auch ein vernünftiges Bild sein. Damit meine ich nicht das Bild von der Konfirmation, sondern ein aktuelles, wo man möglichst schon die Persönlichkeit ein Stück weit erkennen kann. Das ist schon der erste Eindruck, der gewonnen wird.

3. Das Thema Bild im Lebenslauf ist heiß diskutiert. Einige halten es für überholt und sind der Meinung, dass ohne Bild unvoreingenommener entschieden wird, andere sagen, dass Bild sollte auf keinen Fall fehlen. Wie sehen Sie das?

Ein Bild sollte es auf jeden Fall im Lebenslauf geben. Ich bin sogar der Meinung, dass wir in Deutschland noch einen Schritt weiter gehen sollten und das amerikanische Prozedere bei der Bewerbung übernehmen sollten. Dort muss der Bewerber ein Bewerbungsvideo von sich machen, was ca. zwei Minuten dauert und er sich selbst „pitcht“. In den zwei Minuten bekommt man schon sehr schnell einen sehr guten Eindruck von der Persönlichkeit, den rhetorischen Skills und vor allen Dingen bekommt man eine Antwort auf die Fragen: „Was macht der Bewerber und wie viel Mühe hat er sich gegeben?“. Was für ein Hintergrund wurde gewählt, wie ist der Ton und und und – man erfährt da so viel mehr.

4. Viele Firmen werben auch mit der Option für Absolventen, sich als Quereinsteiger bewerben zu können. Was halten Sie davon? Ist es ratsam oder gerät man so auf einen holprigen Karriereweg?

Ich finde grundsätzlich Quereinsteiger sehr spannend. Und das sind meistens sehr, sehr gute, engagierte Leute. Ich gebe Ihnen ein ich gerne hier mal auch mal ein Beispiel. Es gibt bei uns im Unternehmen einen promovierten Physiker, der rein eigentlich per se von seiner rein wissenschaftlichen Ausbildung her nichts mit dem Thema Finanzplanung, Consulting, Marketing und Vertrieb zu tun hat, der sich aber pudelwohl fühlt. Er ist jetzt als Quereinsteiger schon zig Jahre hier und ist ein ganz toller Berater. Meine Empfehlung ist daher, sich auch als Quereinsteiger einfach zu bewerben, sofern es wirklich zu den eigenen Stärken und Antreibern passt. Bloß keine Angst vor irgendwelchen Jobtiteln oder Fachbezeichnungen oder der Stellenausschreibung als solches haben. Weil was hat der Bewerber schon zu verlieren. So bietet sich wenigstens eine Chance, wenn es gar nicht versucht wird, dann gibt es die Stelle definitiv nicht.

5. Stichwort Initiativbewerbung: Steigt die Chance auf eine passende Position? Ist diese Form der Bewerbung bei Unternehmen beliebt? Was ist zu beachten?

Beim Thema Initiativbewerbung kommt es oftmals auf die Größe des Unternehmens an. Wenn man sich beispielsweise einen großen Konzern anguckt, der bekommt Massen an Bewerbungen, da wollen sie schon Bewerber, die sich gezielt auf Stellenausschreibungen melden. Da kann so eine Initiativbewerbung schnell automatisiert abgesagt werden. Nichtsdestotrotz ähnlich wie bei den Quereinsteigern gilt auch für das Thema Initiativbewerbung: machen. Sich bewerben und dann für sich selbst zu testen: Klappt es, klappt es nicht. Wenn es nicht klappt, woran hat es gelegen?
Gerade bei Initiativbewerbungen oder bei Quereinsteigern rate ich unbedingt dazu, sich im Vorfeld mit den jeweiligen Personen auf LinkedIn, auf Xing oder einer anderen Businessplattform zu vernetzen. So macht man schon ein Stück weit auf sich aufmerksam machen. Darüber hinaus sollte im Anschreiben ganz klar formuliert sein: Warum habe ich mich initiativ beworben? Was zeichnet mich besonders aus? Welchen Mehrwert bringe ich dem Unternehmen?

6. Inzwischen gibt es immer mehr exotische Studiengänge, die sich schwer auf dem Markt verorten lassen. Oftmals werden diese Abschlüsse nicht explizit gesucht, weil sie nicht bekannt sind, wären aber möglicherweise besonders passend für bestimmte Positionen. Was raten Sie Absolventinnen dieser Studiengänge, um sich dennoch beruflich gut positionieren zu können?

Erster Tipp: Nicht den Kopf in den Sand stecken und sich nicht zwingend immer daran orientieren, was andere aus dem Studiengang machen. Wenn es ein Studiengang ist, der nicht so viele Karriereperspektiven und oder ein nicht so hohes Einstiegsgehalt, wie bei möglichen anderen Studiengängen, verspricht, sollte ihr euch davon nicht verrückt machen lassen. Schaut noch mal nach. Was passt zu mir? Was möchte ich denn selbst überhaupt? Vor allen Dingen geht auch den Weg übers Praktikum. Es muss nicht sofort der Direkteinstieg oder das Traineeprogramm sein. Viele Unternehmen suchen nach Praktikanten für ein oder bis zu sechs Monate. Dann hast du erst mal den ersten Fuß in der Tür und wenn du dich gut machst, obwohl vielleicht der Studiengang nicht passt, erhöhst du so deutlich deine Chancen. Und wer weiß, vielleicht kannst du dadurch weiter im Unternehmen tätig bleiben und später tätig werden.

7. Was kann man schon während des Studiums tun, um für eine gute Karriere vorzusorgen?

Erstens natürlich, wenn du in einem großen Konzern arbeiten möchtest und die Chance aufrechterhalten möchtest, mal eingeladen zu werden, auch ohne Vitamin B (ohne eine Beziehung), musst du darauf achten, dass dein Notendurchschnitt einigermaßen passt. Solltest du persönliche Beziehungen haben, dann solltest du sie auch nutzen. Bei einem einigermaßen passenden Notendurchschnitt reden wir von einem Schnitt von 2,4 oder besser. Das ist erreichbar. Heißt nicht, dass du, wenn du schlechter bist, überhaupt gar keine Chance auf Karriere hast. Es gibt genügend kleine und mittelständische Unternehmen, die nicht auf die Noten achten, sondern die beispielsweise vermehrt drauf achten, ob du außeruniversitäre Engagement an den Tag gelegt hast. Ja oder nein? Hast du in der studentischen Initiative in der Fachschaft irgendwo ein Amt belegt als Vorsitzender in einem bestimmten Ressort oder Ähnliches? So was wertet deinen Lebenslauf enorm auf.

8. Eine Frage, vor denen viele Berufseinsteigerinnen Angst haben, ist die Frage nach dem Gehaltswunsch. Was raten Sie? Wie lässt sich der eigene Marktwert richtig einschätzen?

Man sollte sich gut vorbereiten und sich nicht irgendwas ausdenken oder irgendein Wunschgehalt nennen, sondern gezielt danach recherchieren. Was verdient man mit meinem Abschluss, mit meinem Studiengang, aber auch was ist so üblich in der Branche, in der Region, was sind die durchschnittlichen Einstiegsgehälter, usw. Im Internet gibt es genügend Seiten, wo man solche Informationen findet, meine Empfehlung ist da kununu. Dort kann man beispielsweise evaluieren, was die Minimal- und die Maximalgrenze und wenn man davon den Durchschnitt als Gehaltswunsch angibt, ist das meistens schon in Ordnung.

Wichtig für den Berufsstart ist zu wissen, dass der persönliche Marktwert teilweise schon da ist. Man hat schon einen theoretischen und akademischen Marktwert, nur der praktische fehlt noch. Das bedeutet, die richtigen Gehaltssteigerungen und Erhöhungen und Positionen kommen durch die Berufserfahrung und gegebenenfalls durch Unternehmens- und Jobwechsel. Dadurch kann man seinen persönlichen Marktwert noch mal deutlich steigern. Daher würde ich das Thema Marktwert gerade zum Berufseinstieg nicht überbewerten, was aber viele Bewerber machen.

9. Viele Studierende planen im Anschluss ans Studium den Schritt in die Selbstständigkeit. Was ist zu beachten? Halten Sie dies für ratsam?

Das ist eine super spannende Frage, weil ich mich selbst auch selbstständig gemacht habe, bereits während des Studiums. Man bekommt dadurch ein eher selbstbestimmtes Leben, man hat eine freie Zeiteinteilung und vieles mehr. Nichtsdestotrotz, gerade so die ersten fünf Jahre heißt das selbst und ständig. Dafür muss man wirklich sein eigenes Unternehmen als Soloentrepreneur aufbauen und bereit sein, auf viele Dinge zu verzichten, auch auf Freizeit. Wenn dann nach und nach das Businessmodel klar ist, das eigene Unternehmen solide aufgebaut wurde und du schwarze Zahlen schreibst, dann entsprechend werden die Früchte getragen. Leider scheitern auch sieben von acht selbstständigen Versuche sofort nach dem Studium. Das ist nun mal so. Daher würde ich empfehlen, entweder eine Selbstständigkeit nicht im klassischen Sinne zu wählen, also eine eigene Idee und sofort eine GbR gründen und dann daraus versuchen, eine GmbH zu machen, sondern zu gucken gibt es denn irgendwo am Markt Möglichkeiten als Franchisenehmer beispielsweise, vielleicht sogar ohne wirtschaftliches Risiko, die Selbstständigkeit anzugehen. Nehmen wir als Beispiel McDonalds oder Burger King, da muss man erst einmal über eine halbe Million auf den Tisch legen, um die Lizenzen nutzen zu dürfen. Ich habe beispielsweise bei der HORBACH Wirtschaftsberatung die tolle Erfahrung gesammelt, mich selbstständig zu machen, die Lizenzen und alle Dienstleistungen der HORBACH Wirtschaftsberatung nutzen zu dürfen, ohne ein wirtschaftliches Risiko einzugehen. Das hat mir die Sicherheit gegeben, den Mut gegeben zu sagen: „Alles klar, aus meinem Studium mache ich ein duales Studium in Form einer Selbstständigkeit.“ So ein Weg kann ich wirklich auch empfehlen. Es gibt viele Wege, einfach drüber nachdenken, ausprobieren, im besten Fall kein wirtschaftliches Risiko eingehen und dann kann überhaupt nichts schiefgehen.

10. Wie wichtig sind Auslandserfahrungen für spätere Karrierewege?

Kommt auch wieder auf die Branche und auf die Jobbezeichnung an. Wenn du nur bei großen Konzernen mit internationaler Richtung arbeiten möchtest oder dich dort bewirbst, zählen internationale Praktika oder Erfahrung schon eine Menge. Erst recht, wenn du schon in dem entsprechenden Sprachbereich oder Kulturkreis, in welchem du eingesetzt werden sollst, Kenntnisse mitbringst. Vom Grundsatz her finde ich Auslandserfahrung sehr hilfreich, um andere Kulturen und Sprachen kennenzulernen und um sich selbst von seiner Persönlichkeit her weiterzuentwickeln. Wenn du die Möglichkeit hast, zwingend machen. Wenn nicht – davon geht die Welt auch nicht unter. Viele Unternehmen bieten auch Auslandsaufenthalte „on the Job“ an, dann kannst du die Möglichkeit eventuell noch wahrnehmen.

11. Nicht zu vergessen ist auch der persönliche Lebensplan, der den Karriereweg begleitet. Gerade wenn es um Familienplanung oder private Ziele geht, sind sich viele unsicher, wann der richtige Zeitpunkt dafür gekommen ist. Was raten Sie?

Familienplanung: Da empfehle ich wirklich jedem Bewerber das Selbstbewusstsein zu haben, offen und ehrlich mit dem Gegenüber zu sprechen, auch auf die Gefahr hin, eine Absage zu kassieren. Nur wenn du deine Planung und deinen eigenen Lebensplan darstellst, kannst du auch für dich selbst messen, ob dein zukünftiger Arbeitgeber bereit, auch deinen Lebensplan mit zu unterstützen. Ist er bereit, dich bei deiner persönlichen Planungen zu begleiten oder sogar aktiv dabei zu helfen, deinen Plan zu erreichen?

Daher würde ich da immer mit offenen Karten spielen und genauso nennen, wie es ist. Damit du wirklich auch für dich die Unternehmen bewusst selektieren und aussieben kannst. Wenn die den Weg nicht mitgehen wollen, dann kannst du drei Kreuze machen und sagen Gott sei Dank wurde ich dort nicht genommen, weil die wollen mich in meiner persönlichen Karriereplanung und persönlichen Planung nicht mit begleiten.

Vielen Dank, Herr Lapin, für Ihren Expertenrat! Vielleicht sind bei manchen von euch noch Fragen offengeblieben? Dafür dürft ihr euch auch jederzeit an unsere Coaches wenden. Schreibt uns eine Mail oder vereinbart ein Beratungsgespräch mit uns oder meldet euch jetzt kostenlos für das nächste Karriere-Seminar an (Mittwoch, 30.06 um 18:00)!

Über die Autorin:

Elisabeth Olden hat ihren Bachelor in Management Sozialer Innovationen an der Hochschule München gemacht und ist gelernte Mediatorin. Vor ihrem Studium war sie medizinische Fachangestellte und hat parallel Textererfahrung im Onlinebereich gesammelt. Seit 3 Jahren ist sie privat als Lektorin tätig und unterstützt Forschungsarbeiten mit Publikationen. Ihr nächster geplanter Schritt ist eine Tätigkeit als Coachin und Konfliktberaterin.

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